Zahlreiche Parlamentarier, Professoren und Schriftsteller setzen sich für die Freilassung von Alexander Feduta ein. Libereco unterstützt diese Initiative.
Update: Alexander Feduta wurde am 8. April 2011 aus dem Gefängnis freigelassen. Das belarussische Innenministerium bestätigte seine Freilassung auf Kaution, wobei die Anklage gegen ihn bestehen bleibt.
Offener Brief an die UN-Menschenrechtskommissarin, das OSZE-Büro für Demokratische Institutionen und Menschenrechte, Internationale Menschenrechtsorganisationen, das Rote Kreuz, Regierungen, Botschaften und internationale Organisationen
Am 19. Dezember 2010 fanden in Belarus Präsidentschaftswahlen statt. Am gleichen Tag, noch bevor das offizielle Endergebnis verkündet wurde, wurde die Nachricht in Umlauf gebracht, der Amtsinhaber, Präsident Alexander Lukaschenko, habe die Wahlen für sich entschieden. Tausende Unterstützer der Opposition gingen daraufhin in Minsk auf die Straße, um gegen die anzunehmenden Wahlfälschungen zur Wiederwahl von Präsident Lukaschenko zu protestieren.
Eine friedliche Demonstration von Protestierenden wurde gewaltsam niedergeschlagen und mehr als 600 Teilnehmer wurden in Gewahrsam genommen. Seither reist die Welle an gewaltsamen Verhaftungen und Hausdurchsuchungen bei Oppositionsaktivisten und in ihren Büros nicht ab. Die Familien einiger Inhaftierter haben keine Informationen über den Verbleib ihrer Ehemänner, Ehefrauen, Söhne und Töchter. Über 20 der Inhaftierten wurden wegen Störung der öffentlichen Ordnung angeklagt. Es handelt sich um Präsidentschaftskandidaten und Mitglieder kultureller und akademischer Einrichtungen.
Alexander Feduta, ein prominenter Literaturhistoriker, Journalist und Berater des Präsidentschaftskandidaten Vladimir Neklyayev ist unter den Protestierenden, die in Gewahrsam genommen wurden. Er wurde von Beamten des Staatssicherheitskomittees (KGB) am 20. Dezember um fünf Uhr morgens zu Hause verhaftet und wird seither im KGB Strafzentrum gefangen gehalten. Wie zahlreiche andere wurde er wegen Störung der öffentlichen Ordnung angeklagt. Auf der Basis dieser Anschuldigung kann er zu bis zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt werden.
Alexander Feduta ist ein Mitglied des PEN-Zentrums in Belarus, ein Ehrenmitglied des litauischen PEN-Zentrums und Autor einiger Bücher und zahlreicher anderer Publikationen über Russische, Polnische und Belarussische Literatur des 19. Jahrhunderts. Er ist aktives Mitglied der akademischern Gemeinschaft in Estland, Lettland, Litauen, Polen und Russland. Der erfahrene Beobachter und aktive Teilnehmer am politischen Leben in Belarus schrieb u.a. eine bekannte politische Biografie über Alexander Lukaschenko. Die berufliche und persönliche Reputation Alexander Fedutas hat hunderte von Menschen der akademischen und kulturellen Elite wie auch freie Individuen in ihrer Forderung vereint, ihn und andere politische Gegner sofort freizulassen. In unterschiedlichen Ländern der Welt wurden offene Briefe zu seinen Gunsten unterzeichnet.
Alexander Feduta und andere Mitglieder der Opposition sind nach wie vor im Gefängnis, allerdings wurden gerade vier führende Oppositionsmitglieder wieder freigelassen. Dieses zur Schau stellen von Großzügigkeit sollte allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass strikter Hausarrest und die schriftliche Zusicherung, die Stadt nicht zu verlassen, zusammen mit der Verpflichtung, keine Massenmedien zu kontaktieren, weit entfernt sind von echter Freiheit.
Die Anwendung von Gewalt gegen die Opposition seitens der belarussischen Regierung weckt große Zweifel an der Unparteilichkeit belarussischer Untersuchungsbehörden und der Rechtssprechungspraxis belarussischer Gerichte. Wir möchten unsere tiefe Besorgnis zum Ausdruck bringen und rufen Sie dazu auf, alle notwendigen Schritte zu unternehmen um sicherzustellen, dass Alexander Feduta und alle anderen Mitglieder der Opposition sofort und ohne Bedingungen freigelassen werden sowie die Anklagen gegen sie fallen gelassen werden.
Prominente Unterzeichner des Appells (englische Liste):
Mantas Adomėnas, PhD, Parliament Member, Lithuania
Imants Auziņš, writer, translator, member of Latvian Writers’ Union, Latvia
Irina Belobrovtseva, professor, Tallinn University, Estonia
Nikolai Bogomolov, chief of Department of Literary and Artistic Critics, Moscow State University, Russia
Semion Bukchin, writer and journalist, member of International PEN Club, Belarus
Leo Burnaru, Romanian poet, translator, member of Moldavian PEN Centre, Moldova / Romania
Dechka Chavdarova, professor, Shumen University, Bulgaria
Anna Dybo, linguist, PhD, Dr hab., corresponding member of the Russian Academy of Sciences, Russia
Taras Fediuk, president of Ukrainian Writers’ Association, Ukraine
Lazar Fleishman, professor of Russian Literature, Stanford University, USA
Natalia Gorbanevskaya, poet, Poland / France
Bengt Jangfeldt, writer, professor, Royal Academy of Sciences, Sweden
Birutė Jonuškaitė, vice-chairman of Lithuanian Writers’ Union, Lithuania
Jaan Kaplinski, writer, Estonia
Rita Kindlerova, translator, Czech Republic
Anna Ljunggren, professor, Stockholm University, Sweden
Jonas Liniauskas, chairman of Lithuanian Writers’ Union, Lithuania
Marek Migalski, PhD, Member of the European Parliament, Poland
Piotr Mitzner, professor, Cardinal Stefan Wyszyński University in Warsaw, Poland
Pekka Pesonen, professor, University of Helsinki, Finland
Oleg Proskurin, professor, Emory University, USA
Rein Raud, rector, Tallinn University, Estonia
Laura Rossi, associate professor, University of Milano, Italy
Victor Shenderovich, journalist, writer, Russia
Ludmila Sproģe, professor, head of Department of Slavonic Studies, University of Latvia, Latvia
Renata Šribar, associate professor, Ljubljana University, Slovenia
Boris Uspenskij, professor emeritus of the Oriental University of Naples, Italy
Tomas Venclova, poet, literary scholar, professor, Yale University, USA / Lithuania
Halina Waszkielewicz, professor, Jagiellonian University, Poland
Inese Zandere, editor of magazine “Rigas Laiks”, editor-in-chief of publishing house “Liels un mazs”, poet, member of Latvian PEN Centre, Latvia