Graphic Novel Projekt: Aus Interviews werden Geschichten

In dem Krieg in der Ostukraine sind bereits mehr als 10.000 Menschen ums Leben gekommen. Über 200.000 Kinder benötigen psychologische Betreuung, um mit den drastisch veränderten Lebensumständen und erlittenen Traumata zurechtzukommen. Und dennoch gibt es zu wenig Informationen von den Schwierigkeiten und Herausforderungen der Menschen im Konfliktgebiet, so dass viele sich diesen Krieg nicht vorstellen können.

Hier setzt unsere Graphic Novel an, die nun schon kurz vor der Vollendung steht. Ende Juli präsentierten die Zeichner*innen Serhii Zakharov und Sophia Runova der Projektgruppe ihre Zeichnungen in Kiew. Für das Treffen kamen alle Teilnehmenden des Projekts „Den Konflikt kommunizieren“ aus der ganzen Ukraine zusammen.

Letztes Treffen der Projektgruppe in Kiew

Die Illustratorin Sophia Runova und der Künstler Serhii Zakharov sind von Anfang an Teil der Projektgruppe. Sie haben sich eingehenden mit den biographischen Interviews beschäftigt und nun die in den ersten beiden Workshops erarbeiteten Geschichten gezeichnet übertragen. Die Comics erzählen davon, wie die neun interviewten Personen im Rahmen des Konflikts Gewalt und Menschenrechtsverletzungen erfahren haben.

Die Projektleiterin und Historikerin Imke Hansen sieht in der Graphic Novel eine Chance, Sachverhalte darzustellen, die mit Worten schwer zu fassen sind. Sprachlosigkeit und Schweigen könnten dadurch gebrochen werden. Die Stärke der Geschichten sieht sie außerdem in ihrer Authentizität: „Wir denken uns nichts aus, wir bestimmen keine Themen. Wir verarbeiten das, was Menschen uns erzählt haben, die mit dem Krieg in Berührung gekommen sind. Wir haben auch nicht versucht, besonders dramatische Schicksale auszuwählen.“

Erste Entwürfe der Graphic Novel

Auch Sophia Runova sieht großes Potential in dem Projektergebnis: „Ich hoffe, dass die Novel dazu beitragen kann, dass die Menschen den Konflikt persönlich nehmen und sie sich nicht mit den vereinfachten Darstellungen und Pauschalurteilen, wie sie häufig in Nachrichten zu finden sind, zufrieden geben.“ Die Arbeit daran sei allerdings nicht einfach, da einem die Geschichten der Menschen beim Zeichnen sehr nahe gehen: „Es ist schwierig bei so einem Thema die Distanz zu wahren. All diese Geschichten sind aktuell und sie ereignen sich in meinem Land.“

Die Künstlerin Sophia Runova

Die Komplexität des Konflikts und sein Einfluss auf den Alltag der Ukrainer*innen machte sich auch innerhalb der Projektgruppe bemerkbar. Immer wieder kam es zu kontroversen Diskussionen. Besonders das Thema Nationalismus und die Frage, wer in diesem Konflikt Definitionsmacht besitzt und „Fakten“ schaffen kann, wurde intensiv diskutiert. Soll beispielsweise die Ausrufung der „unabhängigen Republiken“ als Ereignis erwähnt werden oder würde dies den Akteuren indirekt Legitimität verschaffen? Die Auseinandersetzungen über diese Fragen verliefen nicht immer harmonisch. Gleichwohl ist sie ein wichtiger Schritt, um den Konflikt innerhalb der Gesellschaft bearbeiten zu können.

Rege Diskussionen

Im September wird die Graphic Novel in Druck gegeben und im Oktober erstmals auf dem MitOst-Festival in Frankfurt (Oder) präsentiert. Es folgen Präsentationen in Kiew und anderen Städten in der Ukraine sowie im Dezember in Berlin. Damit wollen wir die Novel bekannt machen und mit Interessierten über ihre weitere Verwendung ins Gespräch kommen. Ausgehend davon werden im Jahr 2018 weitere Projekte folgen, über die wir auf unserer Website zeitnah informieren.

Das Projekt wird vom Auswärtigen Amt finanziert und durch das Ukraine-Calling-Programm, das ein gemeinsames Projekt der Europa-Universität Viadrina, der Robert-Bosch-Stiftung und der Deutschen Assoziation der Ukrainisten e.V. ist, begleitet.

Projektverantwortliche: Imke Hansen, imke.hansen[at]lphr.org
Projektkoordinatorin: Anne Reis, anne.reis[at]lphr.org

Projektpartner:

 

 

 

Förderer: