Seit dem Sommer ist Belarus von Gewalt und Repressionen gegen die eigene Bevölkerung geprägt. Am Tag der Menschenrechte am 10. Dezember hat Libereco eine Postkarten-Aktion für alle politischen Gefangenen in Belarus gestartet. Machen auch Sie mit und schreiben Sie eine Postkarte oder einen Brief in das EU-Nachbarland!

Damit zeigen wir den aktuell über 450 politischen Gefangenen, dass wir an sie denken. Gleichzeitig sendet jede Postkarte dem autoritären Regime ein Signal, dass die Menschenrechtsverletzungen in Belarus auch im Ausland nicht toleriert und genauestens beobachtet werden. Je mehr mitmachen, desto besser!

Damit jede*r der vielen politischen Gefangenen Postkarten und Briefe bekommt, haben wir einen Zufallsgenerator entwickelt, der jeder teilnehmenden Person eine*n andere*n Inhaftierte*n zuteilt. Bei jedem Neuladen dieser Seite wird Ihnen ein*e andere*r Gefangene*r vorgeschlagen, der*dem Sie schreiben können (Liste zuletzt aktualisiert am 12. Juni).

Schreiben Sie doch:

Artsiom Nikitsin was sentenced to two and a half years in prison under Part 2 of Article 339 (malicious hooliganism) and Article 363 of the Criminal Code (resisting arrest). According to the prosecutor, on the night of January 4, 2021, Artsiom Nikitsin and three other defendants in the case spray-painted several slogans and symbols, thereby damaging three tobacco shops in Minsk. In addition, Nikitsin allegedly "actively resisted arrest" by police officer Prakapovich, who arrived at the scene, and gassed the officer "at least once". Nikistin argued that he had painted "Long Live Belarus" on only one shop and had nothing to do with the others. Artsiom repented of his actions, but noted that he did not damage the property, as the inscription on the kiosk did not affect its operation. Nikitsin also stressed that he did not violate public order. Artsiom pleaded not guilty to the violence charge. He argued that it was not he who used gas on the officer.

Adresse:
Артем Никитин
СИЗО-1
ул. Володарского, 2
220030, г. Минск
REPUBLIC OF BELARUS

Die Hintergrundinformationen zu den Gefangenen und die Adressen werden von unserer belarussischen Partnerorganisation Viasna zur Verfügung gestellt.

Was muss ich beim Schreiben beachten?

    • Bitte übernehmen Sie die Schreibweise des Adressfeldes genauso, wie es Ihnen oben angezeigt wird.
    • Die Postkarten müssen auf Russisch oder Belarussisch verfasst werden, sonst kommt die Post nicht bei den Gefangenen an.
    • Sie können, müssen aber nicht Ihre Absenderadresse auf den Brief oder die Postkarte schreiben.
    • Der Versand einer Postkarte aus Deutschland nach Belarus kostet 0,95 Euro, der eines Briefs 1,10 Euro.
    • Der Versand einer Postkarte oder eines Briefs aus der Schweiz nach Belarus kostet in beiden Fällen 1,50 Franken.
    • Damit die Karte eine persönliche Note hat, schreiben Sie wenn möglich mit der Hand.

Wie kann ich mich an der Aktion beteiligen?

    • Jede*r kann eine Postkarte nach Belarus schicken. Nehmen Sie eine, die Sie bereits zu Hause haben oder kaufen Sie eine, beispielsweise mit einem Motiv aus Ihrer Stadt. Wir bekommen immer wieder Rückmeldungen, dass diese Geste für die Gefangenen sehr wichtig ist und ihnen Mut macht.
    • Stellen Sie ein Bild von Ihnen mit der Postkarte auf Facebook, Instagram oder Twitter und nutze den Hashtag #WeStandBYyou. Fotografieren Sie sich beim Schreiben der Karte oder bevor Sie sie in den Briefkasten werfen. Schicken Sie uns das Foto auch gerne per E-Mail: media@lphr.org

Meine Russisch- oder Belarussisch-Kenntnisse sind begrenzt? Kein Problem!

    • Übersetzungsseiten wie Google Translate oder DeepL leisten gute Arbeit, insbesondere bei einfachen und kurzen Sätzen. Es kommt nicht auf die Grammatik, sondern die Geste an!
    • Oder lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf: Es braucht nicht immer Wörter, Sie können beispielsweise auch etwas zeichnen.
    • Alternativ können Sie eine der nachfolgenden Vorlagen verwenden und die Grußbotschaft abschreiben.

Vorlagen:

Russisch: Я пишу вам из другой страны и хочу, чтобы вы знали, что и за  пределами Беларуси помнят и думают о вас и о ваших соратниках в борьбе за свободу. Посылаю вам эту открытку в знак солидарности с вами. Пожалуйста, не оставляйте надежду даже в эти сложные времена. Я разделяю вашу веру в то, что скоро все изменится к лучшему. Желаю вам силы и мужества!

Belarussisch: Я пішу вам з іншай краіны і хачу, каб вы ведалі, што і па-за межамі Беларусі пра вас і вашых  паплечнікаў у барацьбе за сввбоду памятаюць! Дасылаю вам гэтую паштоўку як знак салідарнасці з вамі. Калі ласка, не пакідайце веру ў перамены навт у гэты складаны час. Я падзяляю вашу веру ў тое, што хутка ўсе зменіцца да лепшага. Жадаю вам моцы і мужнасці!

Übersetzung: Ich schreibe Ihnen aus dem Ausland, um Sie wissen zu lassen, dass Sie, Ihre Mitgefangenen und der Kampf in Ihrem Land über Belarus hinaus nicht vergessen sind. Ich sende Ihnen diese Karte, um meine Solidarität mit Ihnen auszudrücken und um Sie wissen zu lassen, dass ich an Sie denke. Bitte halten Sie Ihre Hoffnung aufrecht, auch wenn die Zeiten hart sind. Ich teile Ihre Hoffnung, dass sich die Dinge bald zum Besseren wenden werden. Ich wünsche Ihnen viel Mut und Kraft!

Die Anzahl der Langzeitinhaftierten steigt kontinuierlich an

In den ersten Tagen der Proteste gegen Lukaschenkos selbst proklamierten Sieg wurden Tausende von Menschen verhaftet und die Gewalt des Regimes führte zu Toten und Verletzten auf den Straßen. Als nach einigen Tagen die ersten Gefangenen freigelassen wurden, erreichten die ersten Berichte über schwere Folterungen in den belarussischen Gefängnissen die Außenwelt.

Seit August 2020 wurden über 30.000 Menschen in Gewahrsam genommen, die friedlich für einen Wandel und demokratische Neuwahlen protestiert haben. Dennoch wurden nicht alle nach kurzer Zeit wieder freigelassen.

Die Anzahl der politischen Gefangenen lag im Vorfeld der Wahl bereits bei 20 Personen. Anfang Dezember, zum Start unserer Postkarten-Aktion, waren es bereits über 160 Personen. Die politischen Gefangenen sind bereits seit mehreren Monaten unrechtmäßig hinter Gitter. Ihre Verhaftungen sind eindeutig politisch motiviert, das Strafmaß unverhältnismäßig hoch. Zudem wird unabhängiger Rechtsbeistand verwehrt. Darüber hinaus beklagen viele Menschenrechtsverteidiger*innen eine menschenunwürdige Unterbringung und Versorgung der Inhaftierten.

Im Vorfeld der Wahl zum belarussischen Präsidenten verhaftete das Regime vor allem Personen, die sich am Wahlkampf für Oppositionskandidat*innen beteiligten oder darüber berichteten. Unter den 160 politischen Gefangenen finden sich Blogger*innen, Journalist*innen, Mitglieder des Koordinierungsrats, Studierende und Menschenrechtsverteidiger*innen – viele von ihnen sind zentrale Figuren des Protests. Einige davon sind dem Regime schon lange bekannt und gleichermaßen unliebsame Personen. Die Ziele dahinter sind einfach: Die Menschen einzuschüchtern, um den Protest im Keim zu ersticken.

„Es ist ein Geschenk, einen Brief aus dem Ausland zu erhalten“

„Das belarussische Volk ist müde“, sagte Swetlana Tichanowskaja bei ihrem Besuch im November in den Niederlanden. Solidarität zu zeigen und Hoffnung zu geben, ist daher das Gebot der Stunde. Jede*r kann etwas dazu beitragen. Tichanowskaja, deren Ehemann einer der politischen Gefangenen in Belarus ist, erzählte: „Die Menschen im Gefängnis sind so glücklich wie ein Kind, wenn sie eine Karte bekommen. Es ist ein Geschenk, einen Brief aus dem Ausland zu erhalten. Es zeigt, dass Europa an unserer Seite steht“.

Für mehr Informationen über die Lage in Belarus können Sie die Seite unserer belarussischen Partnerorganisation Viasna besuchen. Auf der Website erhalten Sie Informationen über die aktuellen politischen Gefangenen und ihre Geschichten, sowie detaillierte Informationen über die Menschenrechtssituation in Belarus: www.spring96.org.